Transalpine Run 2015: Prolog und Etappe 1

Es ist Samstag Abend. Vor genau einer Woche kamen wir beim Transalpine Run 2015 in Sulden nach 8 langen Tagesetappen ins Ziel.
Vor mir auf dem Tisch stehen mein Laptop, ein gutes Glas Rotwein und im Kamin knistert das Holz.
Noch immer habe ich ein breites Grinsen auf dem Gesicht und ich suche nach Worten, um das Erlebnis unserer Reise zu beschreiben.

Wir, das sind der „Trailwaxl“ Carsten und ich. Gemeinsam waren wir für eine gute Woche lang das „Team Wolpertinger“.
Und wir haben die Alpen gerockt!
Wir hatten Spaß, haben gekämpft, gelitten und zuletzt gefeiert. Ja, wir haben es gepackt!
Doch beginnen wir von vorne:

Prolog

Es ist Freitag Morgen, unsere Reise beginnt. Eigentlich viel zu früh, doch wir sind heiß. Wir treffen uns am Düsseldorfer Flughafen. Frühstück. Espresso. Erste Gespräche. Direktes Abtauchen in die Welt des Laufens. Alles um sich rum vergessen, schon jetzt. Auch den Flug.
Das war knapp. Unser Gepäck werden wir nach einigen Verhandlungen noch am Sperrgepäckschalter los und noch bevor wir die Sicherheitskontrollen passieren, lädt man uns namentlich ein, das Flugzeug endlich zu besteigen. Doch wie heisst es so schön in Artikel 3 des Rheinischen Grundgesetzes:

Et hätt noch emmer joot jejange

Wenn das mal jetzt nur nicht so weiter geht. Generell sind die Vorzeichen ohnehin nicht die Allerbesten. In der Vorbereitung haben wir es gerade einmal auf sage und schreibe 6 gemeinsame Kilometer beim Malberglauf gebracht. Andere Teams trainieren Monate lang gemeinschatlich. Zu allem Überfluss handycapt mich eine angeknackste Rippe.

Bei der Startnummernausgabe - Noch sind wir entspanntDoch wie gesagt, wir sind heiß. Haben Bock. Sind top motiviert.
Und der Rest der Reise verläuft planmäßig.
Wir können es kaum erwarten, endlich im Hotel in Oberstdorf einzuchecken und all die jecken Mitläufer bei der abendlichen Eröffnungsfeier zu treffen.
Oberstdorf wird zugleich Startort des diesjährigen Transalpine Run sein.
Von hier aus geht es auf der hochalpinen „Westroute“ über knapp 270 Kilometer und 16.300 Höhenmeter im Aufstieg, sowie 14.500 Höhenmeter im Abstieg in den nächsten 8 Tagen zunächst nach Österreich und in die Schweiz, bevor wir schlussendlich nach 8 Wettkampftagen Sulden am Ortler in Südtirol/Italien erreichen werden.

Und unser Vorabend verläuft genau so, wie wir es erwartet und erhofft haben: Startnummern abholen, einchecken. Viele bekannte und neue Gesichter treffen. Ein riesiges „Hallo“. Dann Pastaparty, zurück ins Hotel. Laufrucksack und Ausrüstung für die morgige Etappe zusammenstellen. Tasche für die nächsten 8 Tage packen. Morgen geht es los, ab ins Bett und gute Nacht!

Etappe 1: Oberstdorf (D) -> Lech (AUT) →34,6KM ↑2.083HM ↓1.469HM

Nun ist es endlich so weit. Wir stehen am Start des Transalpine Run 2015. DER Transalpine Run! Stoff aus dem die Träume sind. Unvergessliche Geschichten werden hier erlebt und Helden geboren. Man ist das ein Ding.
Ausrüstungskontrolle. Startaufstellung. Startschuss. Es geht los. Ohren betäubender Helikopter Lärm.
Wir laufen durch die Stadt. Überall begeisterte Zuschauer. Was für eine Atmosphäre. Gänsehaut!

Am StartDie ersten Kilometer sind sehr gut laufbar, doch es wird heiß heute. Sehr heiß.
Der Veranstalter beschreibt diese erste Etappe als „Aufwärmetappe“, doch es wird uns bereits heute alles nur erdenkliche geboten:
Eine traumhaft schöne Landschaft. Spektakuläre Trails. Drahtseilversicherungen, gefährliches Gelände, Wege die über Leitern führen und ein heftiger Aufstieg zur Fiderescharte.
Ich japse nach Luft und merke meine Rippe in der Höhe. Die Sonne brennt uns erbarmungslos uns aufs Dach. Unterwegs sehen wir mindestens 3 Läufer, die eine Infusion benötigen. Mein Buff dient mir als Sonnenschutz und ich nutze jeden Brunnen, um meinen Kopf zu kühlen und die Trinkflaschen aufzufüllen.

An der Mindelheimer HütteDann ein erster Hammer Downhill.
Wie geil, wir fliegen.

An der Mindelheimer Hütte machen wir nach einem knackigen Gegenanstieg wie viele andere Läufer eine Rast.
Die Etappe heute hat nur 2 offizielle Verpflegungspunkte, also gönnen wir uns ein alholfreies Weizen, bzw. ein Spezi.
Die Hitze ist fast unerträglich.
Die Wettkampfzeit spielt für uns ohnehin nur eine untergeordnete Rolle, denn alles was wir wollen (genau so wie fast alle anderen Teilnehmer), ist den Transalpine Run erfolgreich als Team zu finishen.
Meines Wissens nach gibt es generell nur zwei Etappen-Rennen dieser Art auf der Welt im Hochgebirge.
Zum einen der Transapine Run in Europa und zum anderen den Transrockies Run in den USA.

Aber weiter, der nächste Anstieg wartet bereits mit dem Schrofenpass. Was für eine geile Etappe!

Transalpine Run 2015Und zum Glück ist diese dann auch bald vorbei.
Am Ende war ich komplett augepowert. Sonnenbrand und ein leichter Sonnenstich trotz ca. 8 Liter trinken und Sonnenschutz.
So Kräfte zehrend hatte ich mir die erste Etappe wirklich nicht vorgestellt. Viele andere Teams sicherlich auch nicht, denn von über 340 gestarteten Teams sind heute nur noch 287 in der offiziellen Ergebnisliste. Echt krass.

Heute haben wir direkt einmal gezeigt bekommen, was für eine Herausforderung der TAR2015 sein wird. Zum Glück haben wir mit Lech heute einen richtig tollen Zielort und eine super Verpflegung, die die Strapazen des ersten Tages fast vergessen lässt.

Von der Etappe gibt es auch ein spektakuläres Video von Plan B mit Helikopteraufnahmen:

Und zu jeder Tagesetappe gibt es auch ein Video „hinter den Kulissen“:

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