One Day @ Monte Sophia

Wie lange ist es eigentlich her, dass ich einen richtig schönen Trainingslauf über 3, oder 4 Stunden gemacht habe? Muss ziemlich lang her sein, wenn mir spontan kein Datum einfällt. Auf jeden Fall viel zu lang und es wurde mal wieder Zeit.
So kommt mir die Woche Urlaub vor Ostern gerade recht und die Sophienhöhe, oft Monte Sophia genannt, habe ich in diesem Jahr auch noch nicht besucht… also los!

Bereits von weitem kann man die „am Gipfel“ über 300 Meter Sophienhöhe schon bei der Anfahrt sehen. Schließlich befinden wir uns hier in der Nähe von Jülich bei Aachen im absoluten Flachland. Doch wie kommt solch ein „Berg“ in die platte Ebene?
Die Antwort lautet: Rheinisches Braunkohlerevier, genauer gesagt: Tagebau Hambach.

Monte Sophia

Die Sophienhöhe – Lageplan

Wie auch immer man im Allgemeinen über Braunkohletagebau, oder die großen Energiekonzerne denken mag, hier ist durch Wiederaufforstung ein wahrer Trailspielplatz mit über 100 Kilometern Wanderwegen und zusätzlich vielen Kilometern Wirtschaftswegen und echten Trails entstanden. Und das ganze Areal wächst und wächst immer weiter. Jedes Jahr werden neue Bereiche freigegeben.

Und dabei gibt man sich große Mühe, auch der Natur, an der bei der Kohleförderung Raubbau geübt wurde, eine neue Chance zu geben – doch dazu später noch mehr. Zusätzlich kommt viel Sehenswertes für Wanderer, Mountainbiker, oder eben Trailrunner hinzu. Für mich ist dieser Ort ganz besonders interessant, weil ich nicht nur rund 220 Höhenmeter am Stück bewältigen kann, ich kann auch variieren, ob ich diese über sehr lange, oder sehr kurze An- und Abstiege zurücklegen möchte, also ideale Trainingsvoraussetzungen, auch abseits der „echten“ Berge. Und natürlich bin ich mitten in der Natur und gerade wenn man ganz nach oben läuft, werden die Spaziergänger weniger und man hat seine Ruhe.

Gipfelkreuz

Das ursprüngliche Gipfelkreuz

Und deshalb mache ich auch erst einmal eine schöne große Sightseeing-Runde und schaue mir an, was sich über den Winter verändert hat. Los geht es wie gewohnt am Parkplatz, vorbei an den alten Römer-Steinen und auf flacherem Weg nach oben – erst mal eingrooven. Ich entscheide mich zunächst für den Aufstieg über die Südseite, zum einen weil hier der kalte Nordwind nicht so scharf bläst und zum anderen weil mich hier die Mittagssonne schön wärmt. Doch bald wird mir auch durch das Laufen recht warm. Zunächst drehe ich ein kurzes Trail-Ründchen durch den Mammut-Wald. Hier wurden tatsächlich Mammut-Bäume gepflanzt, auch wenn diese in den 25 Jahren, seit Pflanzung, natürlich noch längst nicht ausgewachsen sind.

Wetterstation

Die Wetterstation

Schon bin ich am Gipfelkreuz, dem ehemals höchsten Punkt der Halde. Weiter geht es an der Wetterstation vorbei und ich staune, wie viel Erde hier bereits wieder aufgetürmt wurde und laufe auf ein paar neuen, frisch freigegebenen Trails direkt durch eine noch junge Baumschonung.

Und dort habe ich dann auch ein ganz besonderes Naturerlebnis. Auf einmal grunzt es laut und direkt vor mir kreuzt eine Wildschweinrotte den Trail. Ein ausgewachsener Keiler und eine Sau haben ein etwas älteres Junges und einen Wurf ganz junger Frischlinge im Schlepptau. Wer schon einmal einem solchen Trupp begegnet ist weiß: Hier ist Obacht geboten und deshalb gehe ich gleich in Deckung (die ausgewachsenen Wildschweine Gott sei Dank auch).

Frischlinge

Obacht! Plötzlich bin ich mitten in der Kinderstube des noch jungen Waldes

Schnell bitte ich die Kleinen nur ganz kurz zu einem Fotoshooting vor meine Handykamera und mache mich sofort leise wieder in die entgegengesetzte Richtung vom Acker. Ich will die Tiere nicht unnötig weiter stören und verschrecken.

Ich drehe eine etwas weitere Schleife und laufe als nächstes zum Höller Horn. Von dort aus geht es direkt weiter zum derzeit höchsten Punkt der Sophienhöhe, dem Römerturm.

Höller Horn

Am Höller Horn

Ruf auf den Turm. Kurze Pause. Wow, wie weit die Monte Sophia in den letzten Monaten seit meinem letzten Besuch in Richtung Süden gewachsen ist. Noch nicht lange her und man konnte von hier aus noch direkt in den Tagebau hinein schauen, mittlerweile ist das nicht mehr möglich. Hier ober bläst der Wind ganz schön scharf, also laufe ich direkt weiter und jetzt bergab. Vorbei am Wildgehege. Hier bleibe ich noch einmal stehen und bestaune das Muffelwild.

Genau, Muffelwild. Oder auch Mufflons. Ein Schelm, wer jetzt böses denkt.

Römerturm

Der Römerturm – der höchste Punkt der Sophienhöhe

Ab geht’s, wieder nach unten, zurück zum Auto. Kurze Teepause. Banane, Apfel, Trinkblase auffüllen und wieder nach oben. Jetzt entscheide ich mich für eine etwas steilere Variante des Aufstiegs, wenn ich schon einmal hier bin, möchte ich auch noch ein paar Höhenmeter sammeln. Schnell bin ich wieder oben.

Eine letzte Runde drehe ich noch über den Obstweg. Wenn die Zeit im Spätsommer gekommen ist, reifen hier viele verschiedene alte deutsche Apfel- und Birnensorten. Zu dieser Zeit laufe ich hier immer besonders gern und manchmal ist der Laufrucksack auf dem Rückweg schwerer, als auf dem Hinweg.

Doch nun wird es wieder Zeit und es geht zurück, für heute ist Schluss. Die Zeit ist wie im Flug vergangen und am Ende stehen vier Stunden auf der Laufuhr.

Waldameisen

Überall sieht man Waldameisen, die hier besonders geschont werden

Gerade mal ein Drittel des gesamten Areals habe ich heute unter die Trailschlappen bekommen.

Während ich in mein Auto steige und mich auf den Heimweg mache, denke ich an die große Streuobstwiese, die ich heute nicht gesehen habe, oder an den Silbersee, oder den Kreuzweg. Schnell wird klar, so bald der Frühling endlich da ist, komme auch ich wieder!

 

 
 

 

Tagebau Hambach

Am Rand der Rekultivierung kann man einen Blick in den aktiven Braunkohletagebau werfen

 

Ein Gedanke zu “One Day @ Monte Sophia

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