Keufelskopf-Ultra-Trail 2014

Um es kurz zu machen: Der KUT 2014 war für mich bereits nach 24 Kilometern an der ersten (!) Verpflegungsstation zu Ende.
Damit nach 24 erfolgreich gefinishten Ultramarathons gleichzeitig auch mein erstes „DNF“ (= Did Not Finish) überhaupt.

Keufelskopf - Ultra - TrailSeit dem KUT sind nun etwas mehr als zwei Wochen vergangen. Zwei Wochen in denen ich für mich erst einmal analysieren und verarbeiten wollte, was genau passiert ist.

Am Ende bleibt es jedoch bei einer einfachen und klaren Analyse: Wir alle wissen, an Pfingsten in diesem Jahr war es heiß. Verdammt heiß. Genau genommen, das heißeste Pfingsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Der Temperaturanstieg kam in sehr kurzer Zeit und man hatte eigentlich keine Zeit, sich so richtig zu akklimatisieren.

Der Keufelskopf-Ultratrail ist ein Lauf, der in absoluter Autonomie gelaufen werden soll.
Der Veranstalter, Eric Tuerlings (übrigens ein total sympathischer, Trail verrückter Niederländer, der viel Erfahrung sowohl als Läufer, sowie als Veranstalter mitbringt) beschreibt das auf seiner Website so:

Prinzipiell wird der Lauf (als richtiger Trail) in Autonomie, sprich: Selbstversorgung ausgerichtet. Das steht auch in der Ausschreibung so. Das Wasser an den geplanten Verpflegungsständen (4 für den Ultra, 1 für den Marathon und gar keinen für den Short) wird nur ausgegeben, weil wir in den Preußischen Bergen kein trinkbares Wasser in den Bächen haben. Ansonsten ist man auf sich angewiesen.

Das ist in der Ausschreibung klar für alle Teilnehmer so beschrieben. Ich wusste also, was auf mich zukommt: 85 Kilometer, 3500 Höhenmeter und Temperaturen von über 30 Grad im Schatten, auf anspruchsvollen Trails.

Aus diesem Grund hatte ich meine beiden großen Trinkflaschen und insgesamt 1,5 Litern Flüssigkeit auf die Strecke genommen und an jedem VP noch 0,5 Liter Iso deponiert. Da beim KUT in diesem Jahr außerdem auch die Deutschen Meisterschaften im Ultratrail ausgetragen wurden, hatte ich mich sehr gut vorbereitet und ging topfit an den Start.

Am StartDer eigentliche Rennverlauf lässt sich dann schnell beschreiben. Die Strategie war, konservativ anzugehen und auf der zweiten Hälfte Gas zu geben. Das hatte in diesem Jahr auch schon beim Hexentanz über 107 Kilometer sehr gut funktioniert.

Doch dann kam alles anders. Bereits früh morgens wurde es unerträglich warm. Wir liefen nicht nur im Wald, sondern in der prallen Sonne über Felder, in denen schon sehr früh die Hitze stand.
Und so kam es, dass ich bereits bei Kilometer 17 (!) Nichts mehr zu trinken hatte und auf den folgenden 7 Kilometern dann trocken lief.

Ich kam mit leichten Kopfschmerzen und total trockenem Mund beim ersten VP an. Mir war klar, dass es heute auch mit meiner Strategie nichts werden würde. Es würde noch heißer werden und zulegen könnte ich heute nicht mehr, zumindest nicht ohne mich vollkommen „zu schrotten“.
Einfach nur auf das „Finish“ laufen, wollte ich wegen der DM aber auch nicht – also stieg ich aus.

Bis zu diesem VP gab es wie angekündigt nichts. Unterwegs kamen zwar zwei Kontrollstationen bei denen die Startnummern gecheckt wurden, so dass niemand abkürzen konnte. Es gab aber kein zusätzliches Wasser, oder wenigstens ein paar Eimer, in die man sein Buff, oder Schwamm hätte tauchen können.
Klar, das war vorher auch so angekündigt, an diesem Tag aber meines Erachtens nicht „sinnvoll“.
Bei den späteren Posten gab es dann wohl zusätzliches Wasser, das kam für mich jedoch zu spät.

Eric schreibt dazu in seinem Blog:

Im Nachhinein hätten wir besser auch Wasser auf der Weiche Ultra- Marathon und Short-Trail, am Keufelskopf selbst, Wasser bereit stellen können. Haben wir aber nicht. Das hätten wir besser lösen müssen. Wir haben nicht erwartet, daß man dort schon Wasser braucht. Die Ultras fanden 300 m weiter den 2. VP und bekamen dort Wasser. Wir (und mit uns auch viele Teilnehmer) haben die Hitze unterschätzt und haben (Ultra Marathon) schon 10 km nach der 1. VP oder (für den Short-Trail) 13 km nach dem Start Wasser gebraucht.

Damit ist das Thema für mich auch erledigt. Dinge können manchmal schief laufen. So ist das eben. Keiner ist perfekt.
Mund abputzen, weiter machen, wieder was dazu gelernt.
Ich glaube, Eric war von allen am meisten geknickt. Er liebt den Trail. Er lebt für die Veranstaltung. Für die glücklichen Gesichter, von denen es in diesem Jahr allerdings nicht so viele gab, wie sonst.

Wenn ich alleine nur die Ultra-Zahlen betrachte: 230 gemeldet, 189 gestartet und lediglich nur 113 Finisher. Ich habe mich gefreut um jeden Zieleinlauf. Ich liebe es euch die Medaillen umzuhängen. Das ist für mich die Krönung der Arbeit im Vorfeld. Leider habe ich jetzt mehr als 100 Ultra-Medaillen übrig, das tut weh.

Wenn man sich diese Zahlen ansieht, wird einiges klarer. In einem Bericht bei der Deutschen Ultramarathon Vereinigung, die die Meisterschaften vergibt, wird von einem „Selektiven Rennen“ gesprochen. Einige Teilnehmer hätten die „Strecke oder die Folgen des warmen Wetters unterschätzt“.

Hard to finishMeine Meinung dazu: Ja, das mag sein. Der KUT ist selektiv!
Und ja, die Strecke ist der Hammer!
Und genau das ist auch gut so!
Für mich war die Kombination aus kurzfristigem Temperaturanstieg und fehlender Hydration auf der Strecke an diesem Tag nicht machbar. So selbstkritisch muss man als Läufer sein.

Wenn jedoch viele gute und erfahrene Trailrunner erst garnicht an den Start gehen, oder später in Serie austeigen, darunter auch der amtierende Vize-Weltmeister im Ultratrail, wünsche ich mir eine etwas differenzierte Analyse.

Und damit möchte ich niemanden persönlich angreifen.
Es wird andere Meinungen geben, die akzeptiere ich.

DNF - Manchmal doch an optionMein Fazit: Ich beglückwünsche jeden Finisher unter diesen krassen Bedingungen doppelt!
Fast überall hört und liest man „Das war bisher das Härteste, was ich je gemacht habe“. Für mich war es genau richtig so früh auszusteigen. Ich war zwar enttäuscht, aber mir ging es (nachdem ich ca. 3 Liter Flüssigkeit zu mir genommen hatte) wieder gut. Ich habe die Verantwortung für mich und meinen Körper übernommen und genau richtig gehandelt.

„DNF“ ist halt manchmal doch „an option“. Und irgendwann musste das erste DNF wohl auch mal kommen 😉

Am Ende bleibt jedoch ein ein Wunsch, bzw. eine Bitte an die DUV mal über folgendes nachzudenken:
Es gibt die unterschiedlichsten Läufe. Eben auch solche, bei denen man weitgehend auf sich gestellt ist.
Ich liebe solche Läufe. Selber navigieren, sich seine Verpflegung selbst besorgen. Abenteuer erleben.

Ob es allerdings sinnvoll ist, bei solchen Veranstaltungen dann Deutsche Meisterschaften im Ultratrail auszutragen, ist eine andere Frage.
Auch wenn ein Teil unseres Sports ausmacht, dass es immer neue Gegebenheiten gibt, auf die man sich einstellen muss, so würde ich mir für Meisterschaften doch einen Mindest-Standard als Rahmen wünschen. Man geht eben doch unter anderen Voraussetzungen an den Start, als zum Beispiel bei einem Abenteuerlauf.

Platz 3 in der AK beim Short TrailZum Beispiel einen VP mit Wasser alle 10 KM.
Oder eine Regelung, wie bei Hitze zu verfahren ist (das gibt es in anderen Sportarten auch – zum Beispiel Trinkpausen beim Fußball).

Ich wünsche mir dass die DUV, deren Arbeit ich sehr schätze, (und bei der ich auch selbst Mitglied bin) ebenfalls ihre Schlüsse aus den Finisher-Quoten zieht und die Ergebnisse noch einmal analysiert und in der Zukunft entsprechend handelt.

Und wie oben bereits gesagt:
Damit ist das Thema für mich abgehakt.
Mit zwei Wochen zeitlichem Abstand bereue ich die Entscheidung keinen Moment. Im Gegenteil.
So konnte ich die Veranstaltung noch etwas genießen. Sanne wurde 3. in ihrer Altersklasse beim Shorttrail und wir hatten einen entspannten Nachmittag im Zielbereich bei leckerer Verpflegung.

Calli getroffenWir verlängerten sogar noch unseren Aufenthalt um einen weiteren Tag und ich konnte in der Woche drauf gleich wieder ins Training einsteigen.
Ach ja, nen richtig coolen Typen habe ich dann auch noch getroffen.

Und nach dem tollen Zugspitz-Wochenende in den letzten Tagen ist auch die Motivation wieder voll da.

Daher zum Schluss noch einmal ein paar Worte zu Eric und dem KUT: Eric ich finde es klasse, was du und dein Team beim KUT auf die Beine stellst. Die Veranstaltung und die Strecke ist perfekt für unseren Sport und macht Laune auf mehr! Auch wenn mal was daneben geht, lernen wir und entwickeln uns ständig weiter. Ich finde es gut, dass du die Dinge siehst, wie du sie siehst.
Vielen Dank dafür! Mach dein Ding weiter!

Ich komme garantiert wieder und dann gibt es eine Revanche!

4 Gedanken zu “Keufelskopf-Ultra-Trail 2014

  1. Du hast ja auch nicht aufgegeben. Du hattest die Wahl zwischen Stolz und Medaille oder Gesundheit. Du hast Deinen Stolz überwunden und Dich für die Gesundheit entschieden. Das ist mutig und vernünftig. Daher Glückwunsch zu dieser Entscheidung :-).

  2. Hallo, musste vor der V1 auch mit dem Wasser haushalten. Aber das ging schon erst 1km vor der v1 leer zu trinken. Wusstest nicht, dass es noch so weit ist, dass Du schon so früh leer trinkst? Am Anfang fand ich es noch durchaus erträglich – bist vielleicht doch zu schnell los?
    zw. 55 und 75 km fand ich es auch sehr hart, mir wären ca. 60km schon lieber gewesen, grad um die Jahreszeit in einer der wärmsten gegenden Dtlds. Weiß nicht ob es bei der Hitze was geholfen hätte wenn ich noch langsamer gestartet wär – im Mittelteil hätt ich besser ein wenig langsamer laufen sollen.

    Aber Gesundheit geht natürlich vor, da hast sicher richtig entschieden – nur vor km17 wär es vielleicht vermeidbar gewesen?? schwer von außen zu beurteilen, jeder reagiert auf die bedingungen anders.

    • Tja… doch ich wusste schon genau, wo ich war. Ich hab die Flüssigkeit aber gebraucht. Wie schon beschrieben kam die Hitze schnell und heftig, ich denke ich bin einfach nicht gut damit klar gekommen und hab an dem Tag dann mehr Flüssigkeit gebraucht als sonst. Die war nur eben nicht da…
      However: Es war eine bewusste Entscheidung so früh rauszugehen und die bereue ich nicht. Dafür bin ich jetzt topfit und es kommt ja noch einiges in diesem Jahr. Morgen früh geht es erst mal in die Schweiz zum Rütli Ultra, da kommen als Schlussläufer sicherlich auch ein paar KM und HM zusammen 😉

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