Hexenstieg Event-Tage – Mit der Hexe getanzt

Hexenstieg Event-Tage

Am 26.04.14 war es endlich so weit. Nach einer sehr guten Vorbereitung mit zahlreichen kürzeren Ultraläufen im Training, stand endlich der erste Saisonhöhepunkt auf dem Programm.
Es ging zu den „Hexenstieg Event-Tagen“ in den Harz. Genauer gesagt zum „Hexentanz“ einem Ultra über 104 Kilometer mit rund 2400 Höhenmetern, veranstaltet von Michael Frenz, dem „Hexer“!
Wer schon einmal an einer Veranstaltung von Michael teilgenommen hat weiß, dass einem hier wirklich alles geboten wird: Tolle Strecken, teiweise technische Trails, eine perfekte Organisation und immer eine klasse Atmosphäre.
Und genau so sollte es auch dieses mal wieder kommen!

Beim Briefing mit dem VeranstalterBereits am Freitag wurde daher in das eigens für die Veranstaltung gebuchte Hotel „Harzer Hof“ in Osterode, rund um das Team von Stephan Zirbus, eingecheckt.
Zu dieser Zeit waren die Läufer des 216 Kilometer langen Hexenstieg schon auf der Strecke.
Obligatorisch wurde das Programm mit einem Streckenbriefing eröffnet, bei dem wir letzte Details erhielten.
Da es bei dem Lauf keine Streckenmarkierung gibt und man daher selbst orientieren muss, wurde das Kartenmaterial genau gecheckt. Parallel wurde das GPS-Gerät bereit gemacht, damit auch nichts schief gehen kann.
Danach ging es dann zu einer leckeren „Pasta Party“ und nach einem kurzen Check der Ausrüstung auch schon ab ins Bett, schließlich haben wir morgen einen langen Tag vor uns!

Samstag Morgen, Raceday, die Sonne scheint! Wie gestern bereits im Racebriefing angekündigt soll es heute erst recht warm werden, bevor am späteren Nachmittag eher schlechtes Wetter angekündigt ist.
Gut gelaunt treffen wir uns alle am Start in Thale. Meine Rennstrategie ist es, erst einmal ruhiger angehen zu lassen und zu schauen, was auf der zweiten Hälfte des Rennens geht. Die erste Hälfte soll eher einfach zu laufen sein, viele Waldwege und kaum technische Trails. Laut Michael beginnt das Rennen so richtig in Braunlage, ab Kilometer 55. Ab hier soll es schön technisch mit einigen giftigen Anstiegen werden… ich bin gespannt!
Außerdem plane ich, die Pausen an den Verpflegungspunkten zu kurz wie möglich zu halten und immer in Bewegung zu bleiben. Da Sanne mit dem Auto unterwegs ist, werde ich dafür zusätzlich hier und dort von ihr auf der Strecke etwas zu trinken bekommen.

Gute Stimmung am StartPünktlich um 10:00 Uhr der Start und der gesamte Troß setzt sich erst einmal in Bewegung. Wie das am Anfang so ist, alle an der Perlenkette aufgereiht und hinterher. Das führt dann auch direkt zum ersten größeren „Verläufer“ und damit zu den ersten „Bonuskilometern“ 😉
Nach einem Abstecher quer durch den Wald bin ich bald wieder auf dem richtigen Weg. Gleich zu Beginn geht es ordentlich bergauf und bald erreichen wir den Hexentanzplatz.
Von dort aus geht es zum ersten VP bei KM 11 nach Treseburg. Bereits jetzt hat sich das Feld recht stark auseinander gezogen, ich habe mich knapp unter die Top 20 eingereiht, was auch meinem Ziel für das Rennen entspricht.
Es ist aber noch viel zu früh, um sich darüber Gedanken zu machen.
Ich fülle meine Flaschen auf, trinke jede Menge und verlasse wie geplant den VP recht schnell wieder gemeinsam mit Guido Huwiler aus der Schweiz, mit dem ich heute immer wieder ein Stück gemeinsam laufen werde.
Guido hat noch vor wenigen Tagen den Marathon des Sables, ein Etappenrennen über 230 Kilometer in der Sahara erfolgreich gefinisht – Wahnsinn!
Daher auch kein Wunder, dass er mit der Wärme heute viel besser klar kommt als ich.

Am HexentanzplatzUnd was nun? Der GPS Track zeigt nach links, steil einen Abhang ohne Weg hinauf. Guido und ein weiterer Läufer vorweg und ich hinterher. Gemeinsam steil nach oben und quer durchs Gestrüpp, wird der Weg immer schwieriger. Von oben kann ich sehen, wie andere Läufer auf dem Weg bleiben und einfach außen rum laufen. Also wieder ein Verläufer. So geht das auf den nächsten Kilometern noch das ein oder andere mal, bis ich endgültig im Navigations-Modus angekommen bin und auch der GPS-Track immer präziser wird.
Nach ca. 25 Kilometern erreichen wir Hasselfelde. Hier gibt es einen „Selbstversorger-VP“ in Form einer Tankstelle. Da man diesen laut Veranstalter auch auslassen kann, verabrede ich mich mit Sanne am Ortsausgang um Flüssigkeit aufzunehmen. Bei dem heißen Wetter bin ich fast trocken gelaufen.

Guido treffe ich unterwegs im Ort, er hat seine Flaschen an einem Brunnen aufgefüllt und gemeinsam treffen wir Sanne am Ortsausgang, die uns mit frischem Obst, ein paar Nüssen und etwas zu trinken versorgt.
Dann geht es auch schon weiter. Guido und ich plaudern ein wenig, dann muss ich Guido jedoch erst einmal ziehen lassen, da mir das Tempo für meine Renneinteilung und bei den Temperaturen zu schnell ist.

Guido und ich erreichen den VPGenerell hänge ich jetzt etwas durch. Die Sonne brennt mir auf den Pelz und bis zum nächsten offiziellen VP bei Kilometer 48 in Mandelholz ist es ein recht weiter Weg. Da kommt es mir auch gelegen, dass der VP einige Kilometer früher als geplant kommt.
Am VP treffe ich Peter, den ich noch vom Dragon Ultra her kenne und der mich zwischenzeitlich überholt hatte.
Ich erfahre, dass ich immer noch knapp in den Top20 liege, doch das ist mir gerade herzlich egal. In dem VP wird mir alles geboten, was man sich nur vorstellen kann. Ich schnappe mir eine heiße Brühe (die wirkt bei mir immer Wunder) und etwas Obst. Schnell wird die Laune wieder besser.
Bald geht es weiter und ich laufe jetzt ein ganzes Stück mit Peter zusammen. Das Navigieren klappt mittlerweile richtig gut. Aus der Ferne kommt ein immer deutlicheres Donner-Grollen und die Wärme ist einer heftigen Schwüle gewichen.

Im VP TreseburgUnd dann öffnet der Himmel seine Schleusen!
So richtig. Gewitter. Regenguss, die Welt geht unter.
Für mich genau richtig. Endlich die Abkühlung.
Ich merke, wie es mir direkt besser geht. Bald hole ich auch den ein oder anderen Läufer, sowie die erstplatzierte Frau ein.
Die Gesichter, die man auf der Strecke sieht sind nun immer wieder die gleichen und es scheint so, als möchte heute keiner in der Gruppe laufen.
So ist es immer wieder ein gegenseitiges Ein- und Überholen.
Bei Kilometer 55 erreiche ich klatschnass Braunlage.

Da es immer noch regnet, macht ein Umziehen keinen Sinn.
Ich sehe Sanne im Ort und entscheide mich kurz etwas zu trinken und meine Schuhe zu wechseln. Der offzielle Drop-Bag-Point kam mir dazu etwas zu früh, aber jetzt soll es ja trailig werden.

Laufen durch den wunderbaren HarzEine Entscheidung, die sich als goldrichtig herausstellen sollte,
denn ab jetzt beginnt der Spaß. Noch immer im stömenden Regen laufend, wird es viel trailiger und technischer. Glatte Wurzeln, Steine und einige giftige Anstiege, fast alpin. Ich packe meine Stöcke aus und bin immer mehr in meinem Element. Steil bergauf überhole ich den ein oder anderen Läufer, leicht bergauf kann ich locker durchlaufen bis KM 63, dem Schullandheim in St. Andreasberg.
Da es mittlerweile nicht mehr regnet, gönne ich mir frische und trockene Kleidung und mache mich fertig für die Nacht.
Ich erfahre, dass mittlerweile bereits einige Läufer das Rennen aufgegeben haben. Schnell noch eine Brühe und ich verlasse den VP bereits in den Top 15.

Es geht weiter bergauf. Sowohl mit der Stimmung, als auch mit dem Höhenprofil. Ich bin gut drauf und laufe erst einmal locker die Steigung hoch. Cool wie easy das geht. Es folgt ein endlos erscheinendes Teilstück „mitten durch den Wald“.
Der Harz ist wirklich schön hier, aber hört der Weg auch mal auf? Zwischendurch überhole ich immer mal wieder Läufer des Hexenstieg, die bis hierhin schon über 170 Kilometer in den Beinen haben und für die es nun in die zweite Nacht geht.

Es wird NachtEndlich wieder etwas Abwechslung! Ich erreiche die Oderteiche und sofort wird es wieder trailig und technisch. Hier bin ich schon wieder mehr in meinem Element, fluche aber schon bald wieder, als es auf den Märchenpfad geht.
Zwischenzeitlich wird es dunkel. Ich glaube bei Tag ist das hier ein unglaublicher toller Abschnitt. Technisch schwierig, viele Wurzeln, Sumpf, Holzbretter über den Sumpf gelegt.
Im Schein der Kopflampe muss man tierisch aufpassen, dass man nicht umknickt. Teiweise ist das echt nicht laufbar. Und es geht ständig leicht bergauf.
Ich bin heilfroh, als mich der Wald bei Torfhaus irgendwo im Nichts wieder ausspuckt.

Mitterweile ist es Nacht geworden und der schwierigste Anstieg des Rennens steht bevor. Hoch zur Wolfswarte.
Das klappt wieder hervorragend! Oben angekommen soll die Startnummer mit einem Wanderstempel abgestempelt, oder alternativ ein Selfie mit dem Brocken im Hintergrund gemacht werden – als Beweis dafür, dass man tatsächlich oben war und nicht abgekürzt hat.
Wegen der Dunkelheit fällt das Beweisfoto schon mal aus und ich irre über Minuten in der Gegend herum, auf der Suche nach diesem #@+§#*!! Stempel!
Gott sei Dank kommt nach einer gefühlten Ewigkeit Thomas Ehmke wieder vorbei, der kurz nach seinem Barkley-Abenteuer schon wieder beim Hexenstieg unterwegs ist. Krasser Typ!

Der Stempel...Er kennt die Strecke aus dem Vorjahr und weiß, dass sich der Stempel einige hundert Meter weiter unterhalb befindet.
Nach einem kurzen Downhill über Stock und Stein finden wir das Ding. Ich bedanke mich artig, packe meine Stöcke in den Rucksack und verschwinde auf einen sehr lang gezogenen Downhill, runter zum VP nach Altenau. Das wurde auch Zeit. Irgendwie stimmt die Streckenlänge nicht mehr. Ich treffe an der Grillhütte viel später ein, als Gedacht und habe mehr Kilometer auf der Uhr… ohne mich zu verlaufen.
Egal. Weiter. Ich überhole weitere Läufer. Unterwegs habe ich von Thomas erfahren, dass ich mittlerweile weiter nach vorne gelaufen bin und dass der Sprung in die Top10 nicht mehr weit ist.

Das beflügelt mich, jetzt durchzubeißen und eine Schippe drauf zu legen.
Als ich den „Bahndamm des Grauens“ erreiche, laufe bzw. gehe ich in einer Nebelsuppe, in der man die eigene Hand vor Augen nicht sehen kann.
Der Weg macht mich mürbe. Es geht kilometerlang immer leicht bergauf auf einem ehemaligen Bahndamm, den man zum Wanderweg umfunktioniert hat. Wenigstens auf Schotter und nicht wie bei unseren heimischen Bahntrassen auf Asphalt. Dennoch unendlich. Das geht auf die Moral.
Außerdem will der nächste VP in Clausthal-Zellerfeld bei KM 90 einfach nicht näher kommen und das obwohl ich schon deutlich mehr als 90 Kilometer auf der Uhr habe.
Irgendwie stimmt hier die Streckenbeschreibung so gar nicht mehr, auch ist der VP nicht im tiefsten Punkt des Ortes, sondern erst hinter „der Wand“.
Wie sich später herausstellt, lag hier tasächlich ein Fehler in der Streckenmessung vor. Aus diesem Grunde wurde im Nachhinein die Streckenlänge, genau so wie die Cut-Off-Zeit nach oben korrigiert.

Immer der Hexe hinterherNichts desto trotz erreichen wir irgendwann mit einer Gruppe den VP von Adrenalin Tours. Es ist jetzt schon mitten in der Nacht und wir werden mit Lagerfeuer und Grillgeruch erwartet. Auch Sanne ist hier. Man tut das gut, die letzten nicht endenden Kilometer haben ganz schön an der Konstitution gesaugt.
Der Hexer ist auch da und grinst: „Die Hexenstiegler brauchen noch ca. 4 Stunden von hier bis ins Ziel“.

Nix da denke ich, das muss mindestens in der Hälfte der Zeit gehen, stärke mich mit einer Nudelsuppe und mache mich alsbald vom Acker.
Eigentlich bin ich ziemlich platt, aber ab jetzt geht es fast nur noch auf Downhills, teilweise auch technisch, dem Ziel entgegen.
Das weiß ich und das liegt mir und so laufe ich bald schon wieder auf einige Läufer auf. Und je schneller ich laufe, desto besser läuft es jetzt auch.

Die Top 10 ist in Reichweite und so gebe ich noch einmal richtig Gas. Trailflow nach mehr als 100 Kilometern. Wie geil.
Zum Schluss fliege ich förmlich durch den Ort dem Ziel entgegen und habe es nach 16 Stunden und 28 Minuten geschafft.
Am Ende bedeutet das bei fast 110 Kilometern auf der Uhr Platz 9 Overall und ich bin happy!

SiegerehrungNach einer heißen Dusche bekomme ich mitten in der Nacht um 3 Uhr morgens noch ein Erdinger und eine Massage. Was für ein Service und was für eine tolle Organisation!

Danach bin ich noch so aufgedreht, dass ich kaum schlafen kann, bevor es um 7 Uhr wieder zum Frühstück und ab 8 Uhr zur Siegerehrung mit Abschlussveranstaltung geht.

Die Harzer „Hexenstieg-Eventtage“ haben ihrem Namen wirklich alle Ehre gemacht! Das war ein super Event!

Dafür einen ganz herzlichen Dank an Michael und seine Crew,
dem Team im Hotel Harzer Hof, Jens und Adrenalin Tours, allen Helfern an den VPs und allen, die sonst beteiligt waren.
Und natürlich auch an Sanne, für die liebe und ausdauernde Unterstützung unterwegs!

Der verdiente LohnFür mich ein unglaublich geiles Rennen, was mir noch lange in Erinnerung bleiben wird!

Auch die Presse war sehr interessiert:

Einen Vorbericht in der WAZ vom 26.04.2014 gibt es hier.
Einen Nachbericht in der WAZ vom 29.04.2014 gibt es hier.

6 Gedanken zu “Hexenstieg Event-Tage – Mit der Hexe getanzt

  1. Das klingt nach einem schönen Abenteuer! Wo du nur immer diese Dinger findest ???
    Was unbedingt noch sein muss ist ein POTT-RUN !
    Danach würde ich sogar eine Ausnahme machen und ……anne Bude nen Mantateller mit dir naschen !

    • Timo danke dir. Ich habe tatsächlich einen Einladungsultra für dieses Jahr in der Planung, kann aber noch nicht so viel verraten. Ich denke aber, es geht bald los mit den Infos… 😉

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