From Eibsee to Zugspitze before breakfast

Es ist Sonntagmorgen, halb 6. Gestern ist der Zugspitz-Ultratrail gestartet und während Base- und Ultratrailer bereits wieder zurück in Grainau sind, laufen noch immer zahlreiche Läufer auf der 100 Kilometer Distanz dem Ziel entgegen.
Andere wiederum gehen gleich zum Frühstück und machen sich bald fertig für die Siegerehrung und die Abschlussveranstaltung.
Ich war in diesem Jahr nach Starts in den vergangenen beiden Jahren zum ersten mal nicht selbst als aktiver Läufer gemeldet, obwohl ich gestern natürlich einige Kilometer und Höhenmeter auf der Strecke während des Rennens als Supporter und Zuschauer zurück gelegt habe.

Genau so wollte ich es in diesem Jahr – Das Rennen einmal aus einer anderen Perspektive erleben. Großartig. Motivierend. Geil.

Die Riffelriss-AbfahrtUnd genau aus diesem Grund will ich heute etwas anderes. Außerdem gibt es da noch dieses Zugspitz-Projekt. Meinen Rucksack habe ich gestern Abend schon gepackt. Heute geht es rauf zum Gipfel.

Als Route habe ich den direkten Aufstieg vom Eibsee über die Wiener-Neustädter Hütte und den Stopselzieher gewählt. Es ist noch nicht ganz klar, ob ich es wirklich bis ganz nach oben schaffen werde, Lauffreund Falk hatte die Route in den letzten Tagen vom Gipfel aus schon einmal angetestet, kehrte dann aber wegen zu viel Schnee wieder um und hatte sich für das Höllental entschieden.

Dennoch will ich genau auf diesem Weg nach oben. Da wir im Eibsee-Hotel übernachten, habe ich den idealen Ausgangspunkt für diesen Trip! Die Uhr zeigt zehn Minuten nach 6. Es wird Zeit. Der Berg ruft und die Sonne ist längst aufgegangen. Herrliches Kaiserwetter. Ich setze mich in Bewegung und laufe das erste Stück im lockeren Laufschritt, um warm zu werden.

Da geht's langBald biege ich auf die Laufstrecke des ZUT ein und es geht die Riffelrissabfahrt hinauf.
Im unteren Teil schlängelt sich der Weg über wunderbare Singletrails nach oben.
Ich entscheide mich heute jedoch für den vertikalen und direkten Aufstieg und bleibe in der Abfahrt.
Ich will die rund 600 Höhenmeter so direkt wie möglich nehmen.

Bald bin ich wieder auf der Wettkampfstrecke, denn diese verläuft im oberen Teil ebenfalls direkt durch das Riss. Kaum zu glauben, dass hier gestern der ZUT mit 700 Läufern auf der Königsdistanz durchgegangen ist.

Außer einem schmalen Pfad und etwas Sprühkreide ist nichts mehr von der Veranstaltung zu sehen.
Die Abmarkierer haben einen guten Job gemacht. Keine Markierungen und vor allem kein Müll mehr da. Perfekt!

Recht schnell erreiche ich den Abzweig in Richtung Ehrwald und die Staatsgrenze zu Österreich. An einem Baum entdecke ich ein Hinweisschild auf die „neue Trendsportart Trailrunning“. Die Gemeinden haben dafür jetzt mit dem Veranstalter Plan B spezielle Touren gekennzeichnet, die man das ganze Jahr über laufen kann.
Davon hatte ich im Vorfeld bereits gehört, war jedoch zunächst skeptisch. Als ich mir jedoch das Höhenprofil und die Route des „Törlenwegs“ ansehe, bekomme ich bei den bloßen Daten (45 Kilometer, knapp 2000 Höhenmeter) Lust, das demnächst mal auszuprobieren – garantiert, das wäre ein schöner Trainingslauf!

An der Grenze zu ÖsterreichHeute jedoch geht es erst einmal weiter nach oben. Der Pfad gabelt sich und ich halte mich links Richtung Wiener-Neustädter Hütte.
Bald erreiche ich die Baumgrenze und quere das erste Schotterfeld. Die Morgensonne scheint mir ins Gesicht und oberhalb spielen die Gämsen im Berg. Wow!

Das Gelände wird nun immer alpiner und erste Drahtseil versicherte Passagen sind zu überwinden, die ich jedoch locker ohne Klettersteigset gehen kann.
Der Winter hat am Eisen ohnehin seine Spuren hinterlassen und die Instandsetzungsarbeiten haben gerade erst begonnen.

Kontinuierlich steige ich bei bestem Wetter auf. Unterwegs blöken mich ein paar Gesellen an, die mich fragen, was ich denn hier so früh schon auf ihren Pfaden treibe… ich mache ein kurzes Fotoshooting mit den beiden Models und steige weiter nach oben.

Hier bläst ordentlich der Wind und schon bald kreuze ich den Georg Jäger Steig nach Ehrwald, der für diesen Aufstieg eigentlich die „Normalroute“ ist. Nicht mehr weit und ich habe meinen ersten Zielpunkt für heute erreicht, die Wiener-Neustädter Hütte auf 2200 Metern Höhe.

Top-ModelsAls ich eintreffe, sind die Übernachtungsgäste gerade beim Frühstück und ein großer Pott mit heißem Kaffee steht dampfend und duftend auf dem Ofen.
Spontan entschließe ich mich, etwas hier zu bleiben und genieße eine Tasse Kaffee in der Morgensonne.

Zeit spielt keine Rolle mehr. Hektik gibt es hier oben nicht.

Dennoch muss ich irgendwann weiter.
Mittlerweile sind einige Leute aus Ehrwald und vom Eibsee aufgestiegen und ich mache mich fertig für das spannendste Stück hinauf zum Gipfel.
Ich verabschiede mich beim Wirt und laufe los, über das große Schneefeld und über einen Abschnitt mit losem Gestein, hin zum Stopselzieher – Das letzte mal Laufschritt für diese Tour.

Noch mehr Top-ModelsKurz unterhalb des Stopselziehers lege ich vorsorglich mein Klettersteigset und meinen Helm an. Safety first in dieser Passage.

Die wundervolle ausgewaschene Höhle ist weitgehend frei von Schnee und viel zu schnell spuckt sie mich oberhalb wieder aus.

Ab hier nimmt der Schnee mit jedem Höhenmeter zu. Ich entschließe mich, das Set wieder zu verstauen, da das meiste Eisen noch unterm Schnee liegt.
Weiter geht es nach oben. Ich habe Glück. Kurz vor mir sind noch zwei Bergsteiger mit Steigeisen nach oben gegangen, in deren Tritte meine S-Lab einen guten Halt finden.

Immer wieder lasse ich begeistert meinen Blick hinab zur Hütte und in die umliegenden Berge schweifen. Man, das hat sich gelohnt. Auch wenn ich die Siegerehrung mit den vielen krassen Typen heute verpasse.
Mit jedem Schritt nach oben geht es besser, die Luft wird dünner und mein Akku wird voller. Ich liebe diese Berge.

Wundervolle Berge

Eiskraxelei und Kletterstellen wechseln sich ab. Der Gipfel kommt immer näher.
Bald erreiche ich das letzte Stück und der Weg hinauf vom Sonnalpin kreuzt.

Im StopselzieherJetzt ist schon deutlich mehr los, die Zugspitze ist eben leider recht verbaut und touristisch am Vormittag bei solch einem Wetter bereits überlaufen.

Das trübt jedoch meine Freude nicht, als ich am Gipfelkreuz auf der Ehrwalder Seite abschlage.

Ich sehe einen Bergsteiger, den ich unterwegs überholt habe. Wir wechseln ein paar nette Worte.

Ich inhaliere noch einmal das Gipfel-Feeling und dann muss ich weiter.

Heute geht es mit der Gondel ins Tal. Knapp 10 Kilometer mit fast 2100 Höhenmetern aufwärts müssen heute reichen, denn ich bin noch zum obligatorischen Kaiserschmarren-Essen auf der Eibsee-Alm verabredet, bei dem ich einen guten Teil der lieben Lauffreunde der vergangenen Tage noch einmal wieder treffe – Es wird Zeit zu frühstücken!

Beim Aufstieg

…Liebe Zugspitze, wir sehen uns in diesem Jahr noch öfters, ganz sicher!

Gipfelfreude

2 Gedanken zu “From Eibsee to Zugspitze before breakfast

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