Brockenchallenge 2016 – Kalt – Hart – Schön

Rund zwei Wochen ist sie her, meine erste Brockenchallenge.
Die Brockenchallenge ist nicht nur „irgendein Ultramarathon“, sondern ein ganz besonderer Lauf.

Kalt - Hart - SchönVon Göttingen geht es auf der 80 Kilometer langen Strecke in den Harz. Das Ziel ist auf dem Brockengipfel, dem höchsten Punkt im Norden. Insgesamt sind dabei 1.900 Höhenmeter bergauf, sowie 1.100 Höhenmeter bergab zu überwinden.
Das allein macht den Lauf aber noch nicht besonders. Auch nicht, dass dieser Lauf Mitte Februar stattfindet, also mitten im Winter und durch die Ausgesetztheit des Brockengipfels ist das Klima dort oben durchaus mit dem Klima in den Alpen vergleichbar.

Ganz besonders ist dieser Lauf neben den harten äußeren Bedingungen aus folgenden Gründen:
Zum Einen ist der Lauf mittlerweile sehr bekannt. Viele bekannte Gesichter aus der Ultralaufszene sind hier am Start und man kann diesen Lauf durchaus als ein Familientreffen der deutschen Ultralaufszene bezeichnen.

Man würde dort sicherlich noch mehr bekannte Läufer sehen, wäre die Anzahl der möglichen Starter nicht auf Grund der Umweltgegebenheiten und der begrenzten Infrastruktur am Brockengipfel stark limitiert. So werden im Vorfeld die rund 200 Startplätze von den Veranstaltern verlost und es gibt zahlreiche enttäuschte Gesichter, da es sehr viel mehr Bewerbungen um einen Startplatz gibt.

Frühstück vor den StartZum Anderen ist dieser Lauf ein Wohltätigkeitslauf.
Sämtliche Startgelder und Erlöse werden gespendet und dabei ist bei den 13 bisherigen Austragungen in den letzten Jahren mit 165.000€ sehr viel Geld für unterschiedliche Einrichtungen zusammengekommen.
Für mich ist es immer etwas ganz besonderes, wenn ich mit meinem Sport auch noch etwas Gutes tun bzw. etwas bewegen kann.

Bereits 2013 wollte ich in Göttigen an der Startlinie stehen, doch leider kam mir vor drei Jahren eine dicke Erkältung dazwischen.
In den letzten beiden Jahren passte das Rennen nicht in den Saisonverlauf, doch in diesem Jahr war es endlich so weit. Ich wollte unbedingt dabei sein und war wirklich happy, als ich einige Wochen zuvor die Einladung von den Organisatoren erhielt.

Die Vorbereitung im Januar lief sehr gut und körperlich bin ich top fit. Doch auch wenn die Bockenchallenge auf Grund der eben genannten Fakten bereits ein erster Saisonhöhepunkt ist, soll sie für mich kein Rennen im eigentlichen Sinne, sondern „nur“ der erste richtig lange Trainingslauf in das Ereignisreiche Sportjahr 2016 sein. Meine beiden Saisonhighlights in den Bergen werden jeweils noch ein Stückchen länger.

Erst einmal locker einrollenAlso plane ich mein Rennen wie folgt:
Den ersten relativ flachen Marathon locker traben. Zumeist geht es hier über Asphalt, ab und an mal ein paar Waldwege, aber in Summe nicht mein Geläuf.
Kilometer 40 bis 60 geht es in den so genannten „Entsafter“, ein Streckenabschnitt der seinen Namen von einer kontinuierlichen Steigung erhält und der bei vielen Läufern gefürchtet ist. Den möchte ich so gut wie möglich hoch kommen um noch genug Kraft für das ca. 20 Kilometer lange Finale bergauf und im Schnee zu haben. Auf den letzten 20 will ich dann mal sehen, wie viele Reserven ich mir bereits im Training aufgebaut habe und dann möglichst noch einmal Gas geben. So weit so gut.

Das ganze drum und dran des Rennens ist wirklich klasse. Gemeinsam als „BC Reisegruppe“ reisen wir mit einigen Bekannten aus dem Pott an und teilen uns die Hotels. Wie sollte es anders sein, gibt es ein „Riesen-Hallo“ bei der Startnummernausgabe und im Anschluss daran ein leckeres gemeinschaftliches Abendessen im Hotel.

Am Renntag ist es morgens noch stockdunkel, nach einem üppigen gemeinschaftlichen Frühstück aller Läufer am Start leuchten uns Fackeln am Waldrand den Weg. Im Schein unserer Kopflampen geht es dem Sonnenaufgang entgegen. Das Tempo der anderen Läufer ist vom Start weg sehr hoch und ich muss mich wirklich zusammenreissen, um in meinem Plan zu bleiben.

Unterwegs mit TimoEs hat heute deutliche Minusgrade und auch im gesamten Tagesverläuf klettert das Thermometer nicht über 0 Grad.
Dennoch herrscht heute Kaiserwetter. Inzwischen ist die Sonne aufgegangen und strahlt von einem wolkenlosen blauen Himmel. Den ersten Verpflegungspunkt erreiche ich relativ weit hinten im Feld. Noch immer staune ich über das Tempo und halte mich nicht zu lange auf. Nach ein paar Kilometern hole ich Timo, einen alten Bekannten ein. Ab hier laufen wir gemeinsam in unserem lockeren Tempo und genießen den Tag und das Rennen.
Die Kilometer vergehen im Flug und bald sind wir am VP in Barbis. Marathonmarke und Halbzeit des Rennens. Dort wartet auch Sanne, die uns heute supportet. Wir machen eine kurze Pause. Ich wechsle auf Schuhe mit Spikes und ziehe mir eine wärmere Jacke an, denn ab jetzt geht es bergauf.

Rein in den Entsafter. Läuft gut. Laufen und schnelles marschieren im Wechsel. Ab jetzt fangen wir an, einige Läufer einzusammeln. Gegen Ende des Entsafters macht Timo eine kurze Pause und wir verlieren uns. Nun ist der Zeitpunkt gekommen, das Tempo wie geplant hochzufahren.

Glücksbringer Friedolin im Winter WonderlandIch fühle mich sehr gut und fit und wühle mich durch den teilweise unangenehm zu laufenden Schnee im Laufschritt.
Mittlerweile ist es echter Winter geworden. Je weiter ich laufe, desto winterlicher wird es. Winter Wonderland.
Immer mehr Läufer kann ich nun überholen und erreiche recht bald den letzten Verpflegungspunkt, knapp 4 Kilometer vor dem Gipfel. Jede Menge bekannte Gesichter und ab jetzt geht’s nach oben. Ich kann bis auf ein paar steile Rampen alles durchlaufen. Sicherlich überhole ich auf diesem Stück noch einmal gut 15 Läufer und ich denke so bei mir „heute hätte es auch 20 Kilometer weiter gehen dürfen“. Aber noch weiter nach vorne zu laufen ist heute wirklich nicht das Ziel.

Ich sehe den Gipfel – in wenigen Minuten bin ich oben.

Doch pünktlich zum Zieleinlauf schlägt das Wetter um. Gerade noch Sonnenschein und nun ziehen dicke graue Wolken auf. Die letzten anderthalb Kilometer muss ich im Schneestrum laufen.

Das gibt’s doch gar nicht! Gibt es doch, denn hier oben schlägt das Wetter oftmals innerhalb von Minuten um.
Ich sehe kaum noch die Hand vor Augen und das Ziel höre ich, bevor ich es sehe.
Tröten, Rasseln, Jubeln. Jawoll ich bin drin!

Glücklich im ZielSchnell noch ein Foto am bekannten Brockenstein und dann rein ins Warme. Heiß duschen, lecker essen. Die ganze Orga dieses Laufs ist der absolute Hammer. Die Verpflegung (unterwegs) aber vor allem im Ziel genial. Die Stimmung auf der gesamten Strecke phantastisch.
Zur Belohnung geht es dann vom Gipfel noch einmal 10 Kilometer zu Fuß zurück in den Ort. Anders kommt man hier oben nicht mehr weg. Das macht aber nichts. Beine auflockern und von innen wärmt uns ein „Schierker Feuerstein“. 😉

Man war das ein tolles Event! Ich weiß gar nicht, was mir am besten gefallen hat. Der Lauf, die Orga, das ganze Drumherum, wie locker ich durchgekommen bin… es war einfach alles super und ein echtes Highlight schon so früh im Jahr.
Vor ein paar Tagen wurde ich für ein Zeitungsinterview gefragt, ob ich die Brockenchallenge noch einmal laufen würde.
Wenn ich darf: sicherlich ja!
Ich bin mir sicher, dass ich nicht das letzte Mal bei dieser Veranstaltung gewesen bin!
Die Brockenchallenge ist genau so wie ihr Name es verheißt: Kalt – Hart – Schön !

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